Seegraswissen
Faszinierende Lebensräume unter Wasser verstehen

Seegraswiesen sind wichtige Bestandteile vieler Küstenökosysteme. Sie bieten Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Meerestiere, stabilisieren den Meeresboden und können zur Speicherung von Kohlenstoff beitragen. Gleichzeitig reagieren sie empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt, zum Beispiel auf Verschlechterung der Wasserqualität oder Eingriffe in den Meeresboden.

Wie leben Seegräser unter Wasser? Wo kommen sie vor? Welche Bedeutung haben Seegraswiesen für die Artenvielfalt und die Küsten? Und warum sind viele Bestände weltweit zurückgegangen? Diese Seite gibt einen Einblick in die Biologie und Ökologie von Seegräsern und zeigt, welche Bedingungen sie benötigen, um zu wachsen und langfristig bestehen zu können.

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Wie leben Seegräser unter Wasser? Wo kommen sie vor? Welche Bedeutung haben Seegraswiesen für die Artenvielfalt und die Küsten? Und warum sind viele Bestände weltweit zurückgegangen? Diese Seite gibt einen Einblick in die Biologie und Ökologie von Seegräsern und zeigt, welche Bedingungen sie benötigen, um zu wachsen und langfristig bestehen zu können.
© Philipp Hoy

Wertvoll für Mensch und Natur 

Seegraswiesen schaffen vielfältige Lebensräume unter Wasser.

Zwischen ihren Blättern finden Jungfische, Muscheln, Krebse und viele weitere Meerestiere Schutz und Nahrung. Damit tragen sie zur Struktur und Artenvielfalt von Küstenökosystemen bei.


Auch für den Meeresboden spielen Seegraswiesen eine wichtige Rolle.

Ihre Wurzeln und unterirdischen Sprosse können Sedimente stabilisieren und dazu beitragen, dass weniger Bodenmaterial aufgewirbelt wird. Gleichzeitig können dichte Bestände die Strömung und die Wirkung von Wellen in ihrer unmittelbaren Umgebung beeinflussen.

Seegräser betreiben Photosynthese und nehmen dabei Kohlendioxid auf.

Ein Teil des dabei gebundenen Kohlenstoffs kann in der Pflanzenbiomasse und im Sediment gespeichert werden. Wie groß dieser Beitrag zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung ist, hängt unter anderem von den Bedingungen am jeweiligen Standort ab.

Doch was sind Seegräser eigentlich?
Und wie können diese Pflanzen dauerhaft unter Wasser leben?

Keine Algen,
sondern echte Pflanzen

Seegräser werden auf den ersten Blick leicht mit Algen verwechselt. Botanisch gehören sie jedoch zu den echten Pflanzen und sind damit mit Landpflanzen wie Gräsern, Palmen und Schwertlilien verwandt. Anders als Braun- und Rotalgen bilden Seegräser Blüten und Samen. Mit ihren Wurzeln und unterirdischen Sprossachsen, den sogenannten Rhizomen, verankern sie sich im Meeresboden und können sich über diese auch vegetativ ausbreiten. Algen besitzen dagegen keine echten Wurzeln, sondern haften mit speziellen Haftorganen, sogenannten Rhizoiden oder Haftscheiben, am Untergrund.

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© Michiel Vos / Ocean Image Bank

Algen vs. Seegräser
Angespülte Seegräser lassen sich am Strand gut von Algen unterscheiden. 

Beim Zerfall können Algen aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung einen charakteristischen, schwefelartigen Geruch entwickeln. Bei Seegräsern fehlt dieser. Der Geruch allein ist allerdings kein zuverlässiges Bestimmungsmerkmal.

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© Michiel Vos / Ocean Image Bank

Eine Vorliebe für klares, lichtdurchflutetes Wasser


Tageslicht ist einer der wichtigsten Standortfaktoren für Seegräser. Wie andere Pflanzen auch, nutzen Seegräser das Sonnenlicht für die Photosynthese. Dabei werden Kohlendioxid und Wasser in energiereiche organische Verbindungen umgewandelt; Sauerstoff entsteht als Nebenprodukt. Ausreichend Licht ist deshalb eine grundlegende Voraussetzung für ihr Wachstum. In welcher Wassertiefe Seegras wachsen kann, hängt wesentlich von der Lichtverfügbarkeit am Meeresboden ab: Je nach Wassertransparenz, die durch Schwebstoffe und Phytoplankton beeinflusst wird, dringt das Licht unterschiedlich tief in die Wassersäule ein. Entsprechend variiert auch die maximale Wachstumstiefe von Seegraswiesen je nach Standort. Häufig kommen Seegraswiesen in flacheren Küstenbereichen, in Lagunen, an Flussmündungen und in ruhigen Meeresbereichen vor.

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Seegras weltweit

Seegraswiesen bedecken nur 0,1 Prozent des weltweiten Meeresbodens, kommen aber in 159 Ländern und auf sechs Kontinenten vor. Damit gehören sie zu den am weitesten verteilten Ökosystemen der Welt. Ihre Gesamtfläche beläuft sich auf mehr als 317.000 Quadratkilometer und entspricht damit fast der Größe Deutschlands. Manche der Unterwasserwiesen sind so groß, dass sie sogar aus dem Weltall fotografisch festgehalten werden konnten.

Sowohl in der Ostsee als auch an anderen Küsten der Welt findet man Seegraswiesen überwiegend in flachen Küstenzonen. Tiefer liegende Standorte sind aber durchaus möglich. Das Karibische Seegras (Halophila decipiens) beispielsweise wurde schon in einer Wassertiefe von bis zu 62 Metern gefunden.

Weltweit gibt es 72 verschiedene Seegrasarten. Sie unterscheiden sich in Form, Größe und Verbreitungsgebiet. Während in der Ost- und Nordsee mit dem Echten Seegras (Zostera marina) und dem Zwergseegras (Zostera noltii) nur zwei Arten gezählt werden, wachsen in den tropischen Gewässern des Indischen und Pazifischen Ozeans vielerorts bis zu 14 verschiedene Seegrasarten.

Wo wachsen
Seegraswiesen?

Seegraswiesen benötigen geeignete Licht-, Temperatur-, Salz- und Sedimentbedingungen. Deshalb kommen sie nicht an allen Küsten vor. Auch innerhalb eines Meeresgebiets können sich die Bedingungen deutlich unterscheiden. In der Ostsee bspw. beeinflussen Salzgehalt, Wasserqualität, Wassertiefe und Beschaffenheit des Meeresbodens, wo Seegras wachsen kann.

Die untenstehende Verbreitungskarte zeigt, in welchen Regionen Seegrasvorkommen dokumentiert sind und wie sich die verschiedenen Arten und Bioregionen verteilen.

Die Verbreitungskarte zeigt, in welchen Regionen Seegrasvorkommen dokumentiert sind und wie sich die verschiedenen Arten und Bioregionen verteilen.
Die Verbreitungskarte zeigt, in welchen Regionen Seegrasvorkommen dokumentiert sind und wie sich die verschiedenen Arten und Bioregionen verteilen.

Wachstum auf zweierlei Weise

Seegraswiesen können sich sowohl über unterirdische Sprossachsen als auch über Samen ausbreiten. Die horizontal wachsenden Rhizome verbinden einzelne Pflanzenteile unterhalb des Meeresbodens miteinander. Von ihnen können neue Triebe ausgehen. Auf diese Weise kann sich eine bestehende Seegraswiese über die Zeit seitlich ausbreiten. Diese Form der Vermehrung wird als vegetative oder asexuelle Vermehrung bezeichnet

Seegräser können sich außerdem geschlechtlich fortpflanzen. Sie bilden Blüten und Samen. Beim Echten Seegras (Zostera marina) findet die Blüte in der Ostsee im Frühjahr und Frühsommer statt. Die männlichen Pollen werden unter Wasser durch die Strömung zu den weiblichen Blüten transportiert. Nach der Entwicklung der Samen können diese freigesetzt und durch Strömungen über größere Entfernungen transportiert werden. Ob ein Samen erfolgreich keimt und eine neue Pflanze entsteht, hängt von den Bedingungen am jeweiligen Standort ab.

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© Dimitris Poursanidis / Ocean Image Bank
Wie leben Seegräser unter Wasser? Wo kommen sie vor? Welche Bedeutung haben Seegraswiesen für die Artenvielfalt und die Küsten? Und warum sind viele Bestände weltweit zurückgegangen? Diese Seite gibt einen Einblick in die Biologie und Ökologie von Seegräsern und zeigt, welche Bedingungen sie benötigen, um zu wachsen und langfristig bestehen zu können.
Wie leben Seegräser unter Wasser? Wo kommen sie vor? Welche Bedeutung haben Seegraswiesen für die Artenvielfalt und die Küsten? Und warum sind viele Bestände weltweit zurückgegangen? Diese Seite gibt einen Einblick in die Biologie und Ökologie von Seegräsern und zeigt, welche Bedingungen sie benötigen, um zu wachsen und langfristig bestehen zu können.
© Ben Jones / Ocean Image Bank

Warum geht das Vorkommen der Seegraswiesen zurück?

Seegraswiesen sind weltweit durch verschiedene Belastungen unter Druck geraten. Zu den wichtigsten Faktoren zählen ein Übermaß an Nährstoffen, Eingriffe durch den Menschen in Küstengebieten sowie Temperaturrückkopplungen bedingt durch den Klimawandel.

Der Rückgang verläuft nicht überall gleich: Global betrachtet, schrumpfen die Seegrasbestände derzeit um etwa sieben Prozent pro Jahr. Allein in Europa nahm die Gesamtfläche der Seegraswiesen im Zeitraum von 1869 bis 2016 um fast 35.700 Hektar ab.

Während einige Seegrasbestände weiterhin abnehmen, konnten sich andere unter verbesserten Umweltbedingungen teilweise erholen.

Wenn zu viele Nährstoffe ins Wasser gelangen

Ein wichtiger Belastungsfaktor für viele Seegraswiesen ist eine zu hohe Nährstoffkonzentration in Küstengewässern. Gelangen beispielsweise große Mengen Stickstoff- und Phosphorverbindungen aus Landwirtschaft, Abwasser oder anderen Quellen in Gewässer, kann dies zu großflächigen Algenblüten in den Küstengewässern führen.

Starke Algenentwicklung kann die Wassertrübung erhöhen und dadurch weniger Licht bis zum Meeresboden gelangen lassen. Für Seegräser kann dieser Umstand problematisch sein, weil sie für die Photosynthese auf ausreichend Licht angewiesen sind.
Infolgedessen verkümmern die Gräser und überleben nur noch in jenen flachen Bereichen, in denen genügend Sonnenlicht bis zum Meeresboden vordringt. Früher wuchs das Echte Seegras (Zostera marina) in der Ostsee deutlich tiefer. Durch die zunehmende Nährstoffbelastung und die daraus resultierenden schlechteren Lichtverhältnisse wächst es heute meist nur noch in Wassertiefen von etwa zwei bis sechs Metern, nur unter günstigen Bedingungen können Seegräser in der Ostsee auch heute noch in größeren Tiefen vorkommen. 

Nutzung und Veränderungen der Küsten

Küsten sind Lebensräume für Tiere und Pflanzen und zugleich intensiv durch den Menschen genutzte Räume. Hafenbau, Küstenbebauung, Schifffahrt, Fischerei, Aquakultur und andere menschliche Aktivitäten können die Bedingungen für Seegraswiesen verändern und erschweren.

Besonders empfindlich reagieren Seegrasbestände auf direkte Eingriffe in den Meeresboden. Anker, Schleppnetze oder Bauarbeiten können Pflanzen und ihre unterirdischen Sprosse beschädigen und das Sediment aufwühlen. Deshalb spielt es beim Schutz von Seegraswiesen eine wichtige Rolle, direkte Eingriffe in bestehenden Beständen möglichst zu vermeiden und unterschiedliche Nutzungsinteressen miteinander in Einklang zu bringen.

Auch der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen in den Küstengewässern. Steigende Wassertemperaturen, veränderte Niederschlagsmuster, vermehrte Sturmereignisse und der Meeresspiegelanstieg können Seegraswiesen zusätzlich beeinflussen. Wie stark sich diese Veränderungen auswirken, hängt von der jeweiligen Region und den dort vorkommenden Arten ab. 

Bislang gelten für 26 Prozent aller bekannten Seegraswiesen besondere Schutzstandards, weil sie innerhalb klar definierter Meeresschutzgebiete liegen. Beim Thema Seegraswiesenschutz besteht daher weiterhin Handlungsbedarf, beispielsweise hinsichtlich der Ausweitung der Schutzgebiete.

Die Gefahren
für das Ökosystem Seegras

Zu sehen sind die Gefahren Temperaturanstieg, Veränderung der Niederschläge, Extremwetter Ereignisse, Landwirtschaftlicher Abfluss, Bootsfahrt städtische Infrastruktur, Industrieabfluss, Entsalzungsanlagen, der Anstieg des Meeresspiegels, Fischernetze, Aquakultur, Schiffsunfälle, das Abernten von Meerespflanzen, invasive Spezies, Versäuerung der Meere und Ausbaggern. Zusätzlich ist abgebildet, ob die Gefahren die Nachhaltigkeit des Habitats (Haus), die Wasserqualität (Wassertropfen) oder die Fortpflanzung (Kreislauf) betreffen.

Cartographer: Hisham Ashkar / GRID-Arendal (2020), Source: https://www.grida.no/resources/13583

Zu sehen sind die Gefahren Temperaturanstieg, Veränderung der Niederschläge, Extremwetter Ereignisse, Landwirtschaftlicher Abfluss, Bootsfahrt städtische Infrastruktur, Industrieabfluss, Entsalzungsanlagen, der Anstieg des Meeresspiegels, Fischernetze, Aquakultur, Schiffsunfälle, das Abernten von Meerespflanzen, invasive Spezies, Versäuerung der Meere und Ausbaggern. Zusätzlich ist abgebildet, ob die Gefahren die Nachhaltigkeit des Habitats (Haus), die Wasserqualität (Wassertropfen) oder die Fortpflanzung (Kreislauf) betreffen. Cartographer: Hisham Ashkar / GRID-Arendal (2020), Source: https://www.grida.no/resources/13583
Zu sehen sind die Gefahren Temperaturanstieg, Veränderung der Niederschläge, Extremwetter Ereignisse, Landwirtschaftlicher Abfluss, Bootsfahrt städtische Infrastruktur, Industrieabfluss, Entsalzungsanlagen, der Anstieg des Meeresspiegels, Fischernetze, Aquakultur, Schiffsunfälle, das Abernten von Meerespflanzen, invasive Spezies, Versäuerung der Meere und Ausbaggern. Zusätzlich ist abgebildet, ob die Gefahren die Nachhaltigkeit des Habitats (Haus), die Wasserqualität (Wassertropfen) oder die Fortpflanzung (Kreislauf) betreffen.
Cartographer: Hisham Ashkar / GRID-Arendal (2020), Source: https://www.grida.no/resources/13583

Gärtnern im Meer:
Starthilfe für neue Seegraswiesen

Der Schutz bestehender Seegraswiesen beginnt mit der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Dazu gehört beispielsweise eine gute Wasserqualität, ausreichend Licht und der Schutz vor direkten Eingriffen in den Meeresboden. Wenn geeignete Bedingungen vorhanden sind, können sich Seegrasbestände teilweise selbst regenerieren. In anderen Fällen kann eine gezielte Wiederherstellung sinnvoll sein. Bei Wiederherstellungsprojekten werden unter anderem Samen oder Pflanzen an geeigneten Standorten ausgebracht. Welche Methode erfolgreich ist, hängt von der Seegrasart, dem Standort und den jeweiligen Umweltbedingungen ab.
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© Tadhg Ó Corcora / GEOMAR

Was wird für eine erfolgreiche Wiederherstellung benötigt?

Eine neue Seegraswiese lässt sich nicht allein durch das Einsetzen von Pflanzen erschaffen. Entscheidend sind die Bedingungen, unter denen die Pflanzen anschließend wachsen und sich ausbreiten können. Deshalb müssen vor einer Wiederansiedlung zunächst die Ursachen für den ursprünglichen Rückgang betrachtet werden. Sind bspw. Nährstoffeinträge oder mechanische Störungen weiterhin zu hoch, sind die Voraussetzungen für eine langfristige Entwicklung einer neuen Seegraswiese möglicherweise nicht gegeben.

Forschung und Projekte zur Wiederansiedlung untersuchen deshalb unter anderem, welche Standorte geeignet sind, welches Pflanzenmaterial verwendet werden kann und unter welchen Bedingungen sich neue Bestände etablieren und langfristig entwickeln. Auch in der südlichen Ostsee wird erforscht, wie Seegraswiesen geschützt und gezielt wiederhergestellt werden können. Die verschiedenen Forschungsprojekte auf dieser Plattform betrachten dabei unterschiedliche Fragen und Perspektiven.